Umdrehtest Landenten – Wie teste ich Landenten mit und ohne Haube auf ihre Zuchttauglichkeit?

Der Umdrehtest

Mit der folgenden Anleitung kann jedermann einfach seine Landenten mit und ohne Haube auf ihre Zuchttauglichkeit testen.
Mit diesem Test ist es jedem möglich gesunde Tiere auf artgerechte Weise zu züchten.

Wie teste ich Landenten mit und ohne Haube auf ihre Zuchttauglichkeit?

Die Problematik rund um die Landenten mit und ohne Haube ist nicht nur dem eingefleischten Züchter bekannt. Nach dem letzten Gerichtsurteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes (Urteil vom 20.01.2011 –8A 167/10) als Folge der Urteilsaufhebung durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig (17.12.2009-7C 4.09), und dem am Wissenschaftlichen Geflügelhof durchgeführten Projekt hat der Beirat für Tier– und Artenschutz beantragt, dass künftig Landenten nur dann zur Zucht eingesetzt werden sollten, wenn vom Züchter der Umdrehtest durchgeführt wurde und die Ergebnisse für die Zuchttauglichkeit sprechen. Diese Vorgehensweise folgt der Urteilsbegründung des Bundesverwaltungsgerichts, das sein Urteil mit den Worten schließt: „Ist dies (überwiegend wahrscheinlich…, dass bei der Nachzucht gegenwärtig Schäden im Sinne des §11b TierSchG signifikant häufiger auftreten werden, als es zufällig zu erwarten gewesen wäre) zu bejahen, ist die Zucht des Klägers gemäß §11b des TierSchG verboten, es sei denn es ist überwiegend wahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit auf Grund verbesserter Zuchtmethoden derartige Schäden nicht mehr auftreten werden.“. Das Zuchtmanagement stellt damit ein ebenso konkretes wie zentrales Argument in der Zucht der Landenten mit und ohne Haube dar. Richtiger Weise wurde dem Antrag des Beirates für Tier– und Artenschutz, den Umdrehtest in die Zucht der Landenten einzubinden, auf der Bundesversammlung des BDRG am 22.06.2011 zugestimmt (vergl. Satzung des BDRG 2011).

Teilweise werden in dieser Rasse Tiere beobachtet, die Bewegungskoordinationsprobleme zeigen, d.h. sie torkeln oder fallen auf den Rücken. Aus unserer Forschungsarbeit wissen wir, dass das Problem der Landeten mit einem Fettkörper im Gehirn verbunden ist. Dieser Fettkörper, bzw. seine Größe und damit auch der Umfang der Probleme sind züchterisch beeinflussbar. Tiere ohne oder mit nur einem kleinen Fettkörper vererben diese positiven Eigenschaften an ihre Nachkommen. Es ist deshalb unabdingbar, jene Enten für die Zucht zu selektieren, die eine Verbesserung der Eigenschaften darstellen. Um diese Enten in der Vielfalt der Nachzucht herauszufinden, hat Frau Dr. Mehlhorn (geb. Cnotka) im Rahmen ihrer Doktorarbeit ,Hirnveränderungen bei domestizierten Landenten (Anas platyrhynchos f.d.) – morphometrische und ethologische Untersuchungen, einen Umdrehtest entwickelt. Damit setzt dieser einfache Test genau dort an, wo möglicher Weise Probleme auftreten—in der Bewegungskoordination. In der praktischen Erprobung hat sich der Umdrehtest als sehr vielversprechend herausgestellt und ermöglicht, nicht nur den Fettkörper und damit augenscheinlichen Problemen der Landenten zu verringern, sondern sorgt gleichzeitig auch für höhere Schlupfquote und eine Verringerung der Anzahl von Küken mit potentiellen Missbildungen. Eine artgerechte Zucht zum Wohle der Tiere liegt in der Verantwortung eines jeden einzelnen Züchters. Wir als Wissenschaftlicher Geflügelhof raten deshalb mit Nachdruck, den Umdrehtest in der Auswahl der Zuchttiere zu berücksichtigen. Die Durchführung des Umdrehtests ist einfach und für jedermann umsetzbar. Hierzu sind folgende Schritte notwendig.

Durchführung des Umdrehtest
Durchführung des Umdrehtests an einer Landente mit Haube
  1.  Die Tiere sind individuell unterscheidbar, d.h. sie tragen einen Bundesring oder sind anders markiert.
  2. Einzeln werden die Tiere auf einem ebenen Untergrund auf den Rücken gedreht. Wichtig ist hierbei die Stellung der Flügel, die natürlich, d.h. angewinkelt unter dem Tier liegen sollen. Liegt das Tier für ca. e sec ruhig auf dem Rücken, kann die Hand weggenommen werden.
  3. Zeitglich mit dem Loslassen des Tieres wird eine Stoppuhr gestartet.
  4. Sobald das Tier wieder sicher auf den Beinen steht, d.h. kein Schwanken, Torkeln oder eine Schieflage mehr zu sehen ist, wird die Stoppuhr angehalten. Sollten in dieser Phase des Tests Tieren mit schwankendem Gang auffallen, so sind diese von der weiteren Zucht auszuschließen. Gleiches gilt auch für Tiere, die im Kükenalter oder in der weiteren Entwicklung „auffällig“ sind. Auffällig sind jene Tiere, die die entsprechenden

Symptome, wie unnatürlich lange Rückenlage oder ein torkelnder Gang unter umständen auch außerhalb der Testsituation zeigen. Der umdrehtest sollte wenigstens dreimal durchgeführt werden, und dies hintereinander. Für die Selektion und damit die Entscheidung, welche Tiere zur Zucht eingesetzt werden sollten, ist der Mittelwert am aussagekräftigsten. Unsere Vorarbeiten haben gezeigt, dass für die Zucht geeignete Tiere Werte bis zu 3 sec erreichen. Im Durchschnitt haben unsere besten Tiere das umdrehen aus der Rückenlage nach 1,42 sec abgeschlossen. Schlechte Tiere benötigten im Extremfall bis zu 142 sec, im Durchschnitt 13,39 sec, für den Umdrehtest. Wichtig ist, dass die „schnellsten“ Tiere in die Zucht genommen werden und langsame oder auffällige Tiere von der Zucht ausgeschlossen werden.
Wir möchten daran erinnern, dass die Probleme nicht mit der Größe der Haube zu erklären sind und sowohl bei habentragenden , wie auch bei Landenten ohne Haube auftraten können.
Deshalb ist ein Test aller Zuchttiere notwendig. Je häufiger die Tiere getestet werden, und je mehr Werte für die Berechnung eines Durchschnittwertes zur Verfügung stehen, desto genauer können Unterschiede zwischen den Tieren erfasst werden. Jedem Züchter stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite. Nach derzeitigem Kenntnisstand ermöglicht nur das genannte Zuchtmanagement, die vorhandenen Probleme zu beheben und
auf artgerechte Weise gesunde Tiere zu züchten. Die Zukunft der Landenten liegt also in der Hand der Züchter.

Dr. Inga Tiemann

Der SV der Entenzüchter schließt sich den Ausführungen von Frau Dr. Tiemann uneingeschränkt an.

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