Unser Verein hat bereits im Jahr 2015 über den Umdrehtest berichtet. Da wir das Thema aus Tierschutz relevanten Zucht- und Haltungsbedingungen nach wie vor für äußerst wichtig erachten, möchten wir nochmals auf diesen Test hinweisen. Die Zuchttauglichkeit haubentragender und glattköpfiger Landenten ist mit diesem Test zu ermitteln.

Hintergrundinformationen zum „Umdrehtest“

Die Problematik der Landentenzucht beschäftigt den Wissenschaftlichen Geflügelhof des BDRG seit seiner Gründung. Zwar ist der Vorwurf der potentiellen Qualzucht mit dem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2009 offiziell beendet, trotzdem geht die Diskussion weiter. Inhalt ist stets der bei Landenten auftretende Fettkörper im Gehirn und die daraus resultierende mögliche, tierschutzrelevante Symptomatik einer gestörten Bewegungskoordination. Diese ist in Abhängigkeit der Größe des Fettkörpers im Gehirn zu sehen. Je größer der Fettkörper ist, desto wahrscheinlicher ist eine gestörte Bewegungskoordination in Form von Schwanken, Torkeln und einer unnatürlichen Körperhaltung. Die Größe des Fettkörpers ist jedoch züchterisch beeinflussbar.

Das Zuchtmanagement orientiert sich an Projekten von Bartels et al. (2001) zur Haubenbildung bei Hausenten und basiert hauptsächlich auf der Studie von Cnotka (2006). Die Größe und das Auftreten eines Fettkörpers kann durch einen einfachen Verhaltenstest, den sogenannten „Umdrehtest“, erkannt und über ein adäquates Zuchtmanagement, unter Ausschluss entsprechend beeinträchtigter Enten, reduziert werden. Der in der Satzung des BDRG in 2011 verbindlich festgelegte Umdrehtest simuliert die Symptomatik auffälliger Enten und erlaubt dadurch eine Aussage über die Zuchteignung der Tiere. Das Zuchtmanagement und die Verbesserung der Populationsstruktur sind deshalb im Hinblick auf eine artgerechte Zucht und Haltung von Enten, spezifisch von Landenten mit und ohne Haube, unersetzlich.

 

Wissenschaftlicher Geflügelhof des BDRG

Einfach durchzuführen

Der „Umdrehtest“ ist einfach und leicht durchzuführen. Die wichtigste Voraussetzung ist die individuelle Unterscheidbarkeit der Tiere, z. B. sie tragen einen Bundesring oder sind anderweitig markiert.
Als Hilfsmittel wird lediglich eine Stoppuhr benötigt.

Schrittfolge

Der Umdrehtest gliedert sich in folgende Schritte:

  1. Die Ente wird auf einem ebenen und sauberen Untergrund auf den Rücken gedreht. Wichtig ist hierbei die Stellung der Flügel, die in der natürlichen Position, d. h. angewinkelt unter dem Tier liegen sollen.
    Das Tier wird mit einer Hand auf dem Rücken fixiert (siehe Abbildung). Liegt die Ente für ca. 2 Sekunden (auf jeden Fall weniger als 10 Sekunden) ruhig auf dem Rücken, wird die Hand weggenommen.
  2. In dem Moment, in dem die Hand weggenommen wird, wird die Stoppuhr gestartet.
  3. Sobald das Tier wieder sicher auf beiden Beinen steht, d. h. kein Schwanken, Torkeln oder eine Schieflage zu sehen ist, wird die Stoppuhr angehalten.
  4. Die Ergebnisse werden notiert und der Umdrehtest mit dem gleichen Tier zwei weitere Male wiederholt.

Sollten während des Umdrehtests Enten durch Schwanken, Torkeln oder eine unnatürliche Körperhaltung (z. Bsp. Schieflage) auffallen, ist dies unbedingt zu notieren. Ebenfalls auffällig sind jene Tiere, die entsprechende Symptome, z. Bsp. eine unnatürlich lange Rückenlage oder einen unnatürlichen Gang, unter Umständen auch außerhalb der Testsituation zeigen. Der Umdrehtest sollte mit jedem Tier dreimal hintereinander durchgeführt werden. Für die Auswahl der zur Zucht vorgesehenen Enten ist der Mittelwert der drei Durchgänge am aussagekräftigsten. Dieser Wert darf maximal 5 Sekunden betragen. Im Idealfall liegt er sogar unter 3 Sekunden. Enten mit höheren Werten dürfen nicht zur Zucht eingesetzt werden. Auch die außerhalb der Testsituation auffälligen Tiere sollten von der Zucht ausgeschlossen werden.

Haubentragende und glattköpfige Landenten zu prüfen

Mögliche Symptome sind nicht an das Merkmal der Haube gekoppelt, d. h. sowohl haubentragende als auch glattköpfige Landenten können Auffälligkeiten zeigen.

Daher sind auch glattköpfige Landenten mit dem Umdrehtest zu testen.

 

Unter der Rubrik Entenrassen im Verein erhältst du nähere Informationen zu anderen Entenrassen und zur Landente.