Die Aylesburyenten – Entenrasse im Blickfeld 2018

Renaissance

Sie erleben derzeit die Renaissance unter den Großrassen. Ihre Steigerung in Qualität und Quantität muss man als fulminant bezeichnen. Versierte Züchtermanufakturen präsentieren nun schon seit Jahren exzellente Tiere – das ist gut so – das macht Freude! Die Verbreitung der „weißen Riesen“ nimmt stetig zu. Kurzum Die Zukunft sieht ebenso rosig aus wie das Markenzeichen der Rasse – der rosafarbige Schnabel.

Trotz ihrer zweifelsohne imponierenden Masse kommen Aylesburyenten agil, frisch und vital daher. Sie stehen bei der Futtersuche im Auslauf anderen Entenrassen in nichts nach. Gut, ihr Bewegungsablauf ist der Größe entsprechend etwas ruhiger, dennoch durchkämmen sie mit großer Sorgfalt die Weidefläche nach allerlei Kleingetier, wohlschmeckenden Gräsern und Kräutern. Frisches Wasser und eine saubere Badegelegenheit sind für die artgerechte Haltung all unserer Entenrassen ein unabdingbares Muss!

Körperbau & Rechteckschnitt

Den Rechteckschnitt verkörpern viele englische Rassen, so auch die Aylesburyenten. Für`s Auge viel fließende, weiche Linien. Ecken, Kanten, Absätze stören. Wohl definierte Rundungen, im Körperbau lang gestreckt, nicht all zu breit. Körperhöhe muss sein – doppelt so lang als hoch. In der Hinsicht gibt es derzeit wenig zu mäkeln, wenn doch, werden die Tiere nach hinten zu schmal. Im Rücken leicht gewölbt. Eine Zierde der Rasse ist der lange, bereits am Hals ansetzende, gerade nach unten verlaufende und dann in knappem Bogen sich über den gesamten Bauch fortsetzende Kiel. Da bleibt im Groh noch Luft nach oben – es sind nicht alle perfekt. Man muss es immer wieder erwähnen, der Kiel ist eine Hautfalte und wirkt sich weder störend noch hinderlich für die Tiere aus. Nur eine artgerechte Haltung versetzt die Tiere in die Lage ein tadelloses Bauchgefieder zu zeigen – wir Rassegeflügelzüchter bieten dies unseren Tieren, ohne Wenn und Aber. Aus der Wirtschaftsgeflügelzucht kommende Aylesburyenten lassen keinen Kiel erkennen – mit Verlaub bei den dilettantischen Haltungsbedingen ist es wirklich besser so. Sauberer Auslauf, ordentliche Einstreu und eine geräumige Badegelegenheit sind unabdingbar – bei jeder Zucht – bei jeder Rasse!

Im Kopf lang – länger als wir es von anderen Rassen, z.B. den Gimbsheimer Enten her kennen. Der Scheitel schmal, die Wangen breit und hervortretend. Bitte genau differenzieren – Wangen breit und hervortretend! Die Kopfrundung geht in weitem Bogen in den Oberhals über, das passt. Vom Unterschnabel zur Kehle blitzt manchmal eine kleine Falte hervor, wen stört´s? Relativ lang und breit, vorne sogar leicht löffelartig, präsentiert sich der rosafarbige Schnabel. Großes Lob an die Züchter, da hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan und gefestigt. Sicher unterstützt kieselhaltiges Wasser die zarte Schnabelfarbe, aber wer es nicht als Gen im Blut hat, darf selbst beim größten Kiesweiher keine rosafarbigen Schnäbel erwarten. Treffend finden wir in Wright´s Book of Poultry von 1906  folgende Beschreibung: „… soft pink, like that of a ladys finger-nail”. Explizit formuliert, mehr Erläuterung bedarf es nicht. Manche sich die Frage stellen: warum diese einmalige Schnabelfarbe? Nun, um unverwechselbar dieses exzellente Tafelgeflügel von anderem unterscheiden zu können. Vor über 100Jahren und zum Teil bis heute, blieb außer dem Kopf auch noch ein Büschel Federn am Oberhals als Kennzeichnung. Weiße Federn hatten sie alle auf dem Markt befindliche Enten, aber den rosa Schnabel, den zierten nur die Enten aus Aylesbury. So hat sich bis heute jegliches Gelb im Schnabel als ultimatives Zeugnis einer Paarung mit Pekingenten erwiesen und gilt als grober Fehler. Leichter Schnabelbohnenstrich bei weiblichen Alttieren gestattet – nun ja, es steht noch im Standard. Die Augen sind rund, dunkel, nicht all zu hoch im Kopf platziert. Im Hals eigentlich recht dünn, dieser wirkt jedoch durch den hoch angesetzten Kiel ab dem Unterhalsbereich breiter. Vortrefflich anzusehen, im allgemeinen ohne Tadel . Im Schnitt gesehen, muss der Hals somit nicht rund, sondern oval erscheinen. Edel sollte die Kopf- und Halspartie auf den Betrachter wirken – Gentleman like – um es in der Muttersprache der Rasse zu formulieren.

Lang und fest am Körper werden die Flügel getragen. Besser abgedeckt im Rücken lesen wir öfter auf der Karte. Rein konstruktiv sind die Aylesburyenten nicht mit wirklich langen Flügeln ausgestattet, ergo darf die Flügelhaltung nicht zu tief ansetzen. Wie bei jedem Manko – konsequente Auslese hilft. Verwerflich und unschön anzusehen, sobald die großen Flügelfedern unter den kurzen Armschwingen hindurchschieben. Der nötige Punktabzug drückt die Note. Schwanz geschlossen, von waagerecht bis leicht abfallend getragen. Gut in den Federn eingebettet bleiben die kräftigen Schenkel. Auch die mittellangen Läufe sind kräftig. Klar, wer solche Masse bewegt, braucht einen ordentliches „Fahrgestell“. Jungtiere zeigen in der Lauffarbe zuweilen dunkelgelb und wechseln mit zunehmendem Alter bis orangefarbig.

Gefiederfarbe

Weiß muss das Gefieder sein. Übertriebene Forderungen zu einem Silberweiß bestehen nicht. Laut Standard wird im Herbst leicht gelblicher Anflug gestattet – prima! Somit tragen wir den Entwicklungsphasen der Tiere Rechnung. Es folgt unter grobe Fehler: gelbe Gefiederfarbe. Wir denken an dieser Stelle an das pigmentierte Gefieder der deutschen Pekingenten, von deren Einfluss es sich eindeutig abzugrenzen gilt. In puncto Gefiederfestigkeit definiert der Standard: anliegend. Mehr nicht, mehr muss auch gar nicht sein! Sie nennen einen weicheren Federaufbau als andere Rassen ihr Eigen, dies gilt es zu berücksichtigen – beim Betrachten und beim Bewerten.

Das Standardgewicht von 3,5kg beim Erpel und 3kg bei der Ente erreichen die Tiere inzwischen wieder sicher. Substanziell sind die derzeitigen Tiere vollkommen im Rahmen, da muss man nicht an der Waage drehen. Eine Bestrafung wegen Überschreitung der Gewichtsangaben hat und wird es nicht geben. Beide Geschlechter haben die Ringgröße 20.

Im Zuchtstamm sollten selbstredend nur Tiere stehen, welche sich standardkonform zeigen. Soll heißen: großrahmiger Körper, weißes Federkleid, rosa Schnabelfarbe und gut ausgeprägter Kiel. Nun sind die 1,0 der Aylesbury keineswegs faule Burschen, und meist emsig bei der Sache, aber eine Zuchtstammgröße von 1,2 max. 1,3 sollte nicht überschritten werden. Nach der Ausstellungsperiode geben wir gekeimtes Körnerfutter. Das steigert allenthalben die Lust an der Fortpflanzung. Mit rund 60 Eiern gehören die Aylesburyenten schon zu den guten Legern unter unseren Enten. Es ist wohl nachvollziehbar, dass kräftige Küken nur aus entsprechend großen Eiern schlüpfen. Gemäß Standard soll das Gewicht eines Bruteies 80g betragen.  Die weiß-grünlichen Eier werden ab Februar-März täglich abgelegt. Naturbrut ist bei den Aylesburyenten ein Fremdwort, aber bitte sag niemals nie. Erblicken dann die ersten gelben Küken das Licht der Welt, heißt es sorgsam zu füttern. Anfangs Aufzuchtfutter, später Endfutter. Wichtiger Hinweis: Wir füttern die Tiere satt, nicht mehr und nicht weniger. Schließlich ist es unser Bestreben, die Enten vital und agil in ihrem Auslauf zu erleben. Rasches Mästen verursacht Nachteile, besonders im Knochengerüst. In großen Mastbetrieben werden die Tiere nach rund 12 Wochen auf Schlachtreife getrimmt – ein Wahnsinn! Ihr weiches Knochenkonstrukt würde wohl auch kaum länger durchhalten. Wie lob ich mir da den liebevollen Züchter, der seinen Zöglingen täglich einen Leckerbissen z.B. in Form von Grünfutter anbietet, seine Jungtiere beobachtet und lange vor der ersten Schau bereits die persönlichen Champions kört.

very britisch

Wurden sie in England vor rund 150 Jahren zu tausenden als Stubenküken rund um die Stadt Aylesbury aufgezogen und bis zur Schlachtreife gebracht, so wird die Erinnerung an diese Entenrasse neben dem Aylesbury-Duck-Beer auch durch Aylesbury-Duck-Vodka aufrecht erhalten. Würdigung der besonderen – der englischen Art. Auch der in der Stadt Aylesbury beheimatete Fußballclub trägt stolz die Enten auf der Brust – very britisch.

Aylesburyenten sind ein vortreffliches Rassegeflügel, neben ihrer imposanten Erscheinung geben sie noch einen sehr schmackhaften Braten ab. Den Aufwärtstrend der Rasse nutzen und neue Züchter akquirieren wäre mein Schlussappell.

Paul-Erwin Oswald