Unsere Landenten

Sie zählen zu unseren ältesten Entenrassen überhaupt, stellen ein unwiederbringliches Kulturgut und Genreservoir dar und standen dennoch rund ein Jahrzehnt im Focus der Gerichte. Niemals klein beigegeben zog der BDRG mit bis zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Rassegeflügelzüchter sichern die von staatlicher Seite immer wieder geforderte Biodiversität und dann sollte es zu einem durch Paragraphen abgesicherten Rasseverbot kommen – Gottlob blieb alles nur ein ad absurdum. Dass wir die Landenten heute noch in den Reihen unseres Rassegeflügels sehen, und nicht in einem musealen Panoptikum wiederfinden, verdanken wir dem WGH samt Team, RA Th. Müller und all den unermüdlichen Züchter/innen, welche unbeirrt aller gerichtlicher Rückschläge der Rasse treu blieben und sie in ihrem Fortbestand sicherten.

Bei dieser, trotz ihrer hunderten von Jahren belegter Existenz, sehr agilen und zuchtfreudigen Rasse, unterscheiden wir heute zwei Kategorien – die Landenten mit Haube und die Landenten ohne Haube. Beide Varianten gleichen sich im Habitus und unterscheiden sich nur durch die am Hinterkopf platzierte Federhaube. Dr. Maar gebraucht in seinem Illustrierten Muster-Entenbuch von 1891 Namen wie Kaiser-, Schopf- und Haubenente sowie den lateinischen Namen Anas domestica cristata. Weiter beschrieb er zwei Varietäten, eine weiße und eine gelbe, mit ausgezeichneten Legeeigenschaften. Er empfahl diese Rasse auch wegen ihres hohen wirtschaftlichen Wertes, lag ihr Gewicht doch zwischen 3,5 – 4 Kilogramm.

Kernig und stämmig sollen sie auch heute noch daher kommen, unsere Landenten. Im Ansatz gedrungen mit ordentlichem Fleischansatz und gut gerundeter Brust. Unschön anzusehen, diese endlos langen Kerle, im Rumpf flach wie eine Flunder und leer in der Brust. Kompakt müssen sie sein, aber nicht fett, immer ein gutes Stück adeliger Linienführung zeigend. So bitter es für manchen Züchter auch sein mag, mit einem Gewicht beim Erpel von 2,5kg und 2,0kg bei der Ente ist die Sache sehr auskömmlich gestaltet und wer das nicht erreicht – ist eben zu klein! Im direkten Vergleich rangieren Streicher- und Deutsche Campbellenten in der gleichen Gewichtsklasse. Wir wünschen uns für alle Raritäten, und da reihen sich die Landenten ganz vorne mit ein, in der Bewertung das gewisse Quäntchen Fingerspitzengefühl – das ist gut so und soll auch so bleiben. Wird jedoch in Größe und Rumpfvolumen die Toleranzgrenze unterschritten, so bedarf es eben auch schon mal deutlich formulierter Wünsche auf der Karte. Im Bauch voll, allseits gut gerundet, ohne Wamme, ohne Kiel. Rücken leicht gewölbt, nicht übermäßig lang erscheinend. Fast waagrechte Körperhaltung, so im Standard zu lesen. In all dem vorgenannten bleibt viel Raum für die Zucht, viel Raum für die Bewertung, beides können und beides dürfen wir nutzen. Ein Standardtext ist kein starres Wortgebilde, er muss gelebt werden. Gelebt vom für die Rasse zuständigen Sonderverein, welcher in Schulungen den Zuchtstand aufnimmt, in Wort und Bild die spezifischen Bewertungskriterien festlegt und beides an seine Sonderrichter weitergibt. Diese wiederum sollten ihr Wissen, wann immer, bei Schulungen, Ausstellungen oder sonstigen Zusammentreffen den Allgemeinrichter mitteilen. Wir vom SV der Entenzüchter sehen uns als Dienstleister, als Dienstleister für die Rassen, als Dienstleister für die Züchter und als Dienstleister für unsere Sonderrichter – zum Wohle und dem Erhalt der Rassen.

Zurück zu den Landenten, dort soll der Hals s-förmig sein – so die Standardvorgabe. Anmutig geschwungene Halsführung oder wie bereits früher schon einmal verwand, Hals in schönem Bogen getragen, würden den angedachten Linienverlauf ebenso präzisieren und wörtlich gesehen wenig prekär bleiben. Ecken und Kanten sind in der Halsführung unerwünscht. Länglich rund der Kopf mit deutlicher Backenbildung. Wir sind weit entfernt Vergleiche mit den Backen der Zwergenten ziehen zu wollen – so viel muss es gar nicht sein. Die Stirn nicht zu flach angesetzt, sanft ansteigend. Für die Zuchtauswahl gilt es diese Auswahlkriterien nicht zu unterschätzen. Etwas volle Kehle gestattet. Im Schnabel nicht allzu lang, er hat eine leicht hohle Firstlinie und ist nach der Stirn hin ansteigend.

Die glattköpfige Variante bedarf eigentlich keiner weiterführenden Erläuterung. Ganz anders bei den Merkmalsträgern, also den Tieren mit Haube. Diese soll kugelförmig und gerade auf dem Hinterkopf sitzen. Aus festem Federwerk bestehen, geschlossenen und nicht all zu groß sein. Langer Text, und dennoch definiert sich die Haube keineswegs als das Hauptbeurteilungskriterium bei den Landenten. Wer in der Form patzt, kann die verlorenen Punkte mit der Haube nicht mehr aufholen. Wichtig, die Haube darf nicht fusselig, schief platziert oder geteilt im Aufbau sein. Tennisball zu groß, Tischtennisball zu klein, alles was wir dazwischen finden passt schon. Kein Normenkontrollverfahren, sondern den Spielraum innerhalb der Norm nutzen. Haube, Schnabel, Kopf und Rumpf, aus all diesen Einzelteilen muss sich für den Betrachter ein in seinen Proportionen harmonisch stimmiges Gesamtbild ergeben. Genetisch bedingt ist die Haube bei allen Farbenschlägen, außer bei den Weißen, meist etwas heller als der Rest des Gefieders. Dies gilt weder als Vorzug noch als Mangel.

Die Flügel bedecken gut den Rücken und enden vor der Schwanzwurzel. Kreuzen sich die Flügelenden fehlt es an Rumpflänge. Im Schwanz nicht zu lang, mäßig breit und waagrecht in der Haltung – hier würde ich einen Punkt setze. Benötigen wir noch den Zusatz „oder angehoben getragen“ ? Atok kommt mir kein Bild in den Sinn, bei welchem das Tier den Schwanz über der Waagrechten tragen würde. Kräftig entwickelte Schenkel sind eine Eigenschaft, welche den Landenten gut zu Gesicht steht, sie werden jedoch vom Weichengefieder überdeckt. Luftig freie Fersengelenke und Schenkel bedürfen des Züchters Auslese. Etwa in der Rumpfmitte, meist kurz dahinter sind die kurzen, kräftigen Läufe eingesteckt. Läufe im letzten Drittel angesiedelt stören den symmetrischen Rhythmus. Meist stehen die Tiere dann vorne viel zu hoch. Beide Geschlechter tragen die Ringgröße 16. Das ist auskömmlich, wem das passt ist entweder zu groß oder zu klein – beides wäre ein Fehler. Die Lauffarbe richtet sich wie die Augenfarbe nach dem entsprechenden Farbenschlag. Bei solchen Naturburschen – und das sind unsere Landenten noch immer – ist das Gefieder fest und dicht anliegend zu fordern. Je straffer das Federwerk, desto kompakter das Erscheinungsbild.

Enorm gestaltet sich die Bandbreite an Farben. Es sind alle bei den Entenrassen zugelassenen Farbenschläge anerkannt, außer den Wildfarben-Varianten der Warzenenten. Aufgelistet sieht das wie folgt aus: Wildfarbig, Wildf. mit Latz, Wildf.-Gescheckt, Dunkelwildfarbig, Dunkelwildf. mit Latz, Blau-Dunkelwildfarbig, Braun-Dunkelwildfarbig, Forellenfarbig, Creme-wildfarbig, Gelbbäuchig, Blauwildfarbig, Blauwildf. mit Latz, Blau-bronze, Blau-Gelb, Erbsgelb, Butterschotch, Gelb, Rehfarbig-weißgescheckt, Weiß, Schwarz, Blau, Braun, Mit Latz in Schwarz, Blau, Braun, Blau, Silber-wildfarbig, Rehfarbig Gescheckt, Grobgescheckt in Braun-wildfarbig, Schwarz, Braun und Blau, Elstergescheckt in Schwarz, Braun und Blau, Isabellfarbig (Rouen-Clair). 36 Varianten diese mit und ohne Haube zugelassen – keine andere Rasse bietet dem Züchter ein so farbenreiches Spektrum wie unsere Landenten. Im Standard heißt es: an Farbe und Zeichnung sind vorerst noch keine hohen Ansprüche zu stellen. Wir sind gut beraten, den Freiraum des Wörtchens „vorerst“ zwar zu nutzen aber nicht über Jahrzehnte strapazieren zu wollen. An die Weißen, das Wappentier des SV der Entenzüchter, können wir inzwischen mit deutlichen Anforderungen an das „Weiß“ herantreten. Die amerikanischen Pekingenten gelten als Vorbild, etwas Mausergelb ist jahreszeitlich bedingt und bleibt im Toleranzbereich. Kanariengelbe Tiere a la deutsche Pekingenten sind unerwünscht.

Eklatante Fehler wie z. B. gelbe Schnäbel bei den Erpeln der Wildfarbigen oder Blauwildfarbigen bedürfen keiner Preise mehr. Noch wäre es vermessen für die beiden vorgenannten Farbenschläge eine doppelte Hufeisenzeichnung oder für die Schwarzen einen Grünlack wie bei den Cayugaenten fordern zu wollen, aber ein die Richtung bestimmender Wunsch darf durchaus mit auf die Karte. Wird ein Farbenschlag gemeldet, so sollte das zur Schau stehende Tier diesem auch zweifelsfrei zuzuordnen sein. Breit gefächert zeigt sich das Spektrum der Gescheckten. Hier können Tiere sowohl mit Elsterscheckung wie von den Altrheiner-Elsterenten bekannt, als auch Tiere mit einer gewissen Grobscheckung wie wir sie bei den Hochbrutflugenten in feiner Perfektion finden, ausgestellt werden. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass überdimensionierte Hochbrutflugenten noch lange keine Landenten verkörpern. Also summa summarum werden an Weiße und Wildfarbige bereits höhere Ansprüche gestellt, alle anderen Farben müssen zumindest in sich stimmig sein – je perfekter, desto höher fällt auch die Endnote aus.

Selbstverständlich wird jeder Züchter/in nur seine agilsten und aufmerksamsten Tiere in die Zucht stellen, auch und gerade bei den Landenten. Würden diese einfach anmutenden, aber in ihrer Tragweite immens wichtigen Zuchtstrategien nicht auf breiter Basis gelebt, manch alte Rasse hätten wir längst zu Grabe getragen. Es können bei dieser Rasse Tiere mit Koordinationsproblemen im Bewegungsablauf beobachtet werden. Dank der Forschung am WGH wissen wir, dass das Problem der Landenten mit einem Fettkörper im Gehirn verbunden ist. Tiere ohne oder mit einem kleinen Fettkörper vererben diese Eigenschaften an ihre Nachkommen. Es ist deshalb unabdingbar nur solche Tiere welche vorher einer Selektion unterzogen wurden zur Zucht einzusetzen. Der von Frau Dr. Mehlhorn (geb. Cnotka) entwickelte Umdrehtest ist einfach durchzuführen und führt in der Nachzucht zu einer Verbesserung der Eigenschaften. Grob umrissen werden die Tiere auf den Rücken gelegt und wer sich am schnellsten wieder sicher aufrichtet, darf in die Zucht. In vollem Umfang steht der Umdrehtest auf www.enten-sv.de zum downloaden bereit. Der BDRG verankerte 2011 diesen Umdrehtest in seiner Satzung. Es liegt im Verantwortungsbereich jedes einzelnen Züchters durch artgerechte Haltungsbedingungen und artgerechte Zucht für das Wohlergehen seiner ihm anvertrauten Geschöpfe zu sorgen – dieser Verantwortung sind wir uns bewusst und dieser Verantwortung stellen wir uns, jeden Tag.

Unser Ziel muss es sein den quantitativen Aufschwung, der letzten Jahre zu nutzen. Den Begriff „Qualzucht“ hinter uns zu lassen und die Zukunft proaktiv für und mit dieser Rasse zu gestalten. So stehen die Landenten 2015 beim SV der Entenzüchter als Entenrasse im Blickfeld. In einer einmaligen dem 120 jährigen Jubiläum des SV geschuldeten Aktion, werden die Landenten und jedes haubentragende Tier der Zwerg- und Hochbrutflugenten bei der diesjährigen Hauptsonderschau in Dietenhofen mit je 2,00 € vom SV der Entenzüchter bezuschusst. Jeder ist willkommen sich mit seinen Tieren zu beteiligen, ob SV Mitglied oder nicht. Meldebögen können unter www.enten-sv.de abgerufen werden. Ferner ist es unser Ziel, die Landenten in die Rote-Liste bedrohter Haustierrassen aufnehmen zu lassen – wir arbeiten dran!

An Aufzucht und Haltung stellen die Landenten mit und ohne Haube, wie eigentlich alle Entenrassen, keine besonderen Ansprüche. Feuchtkrümeliges Weichfutter aus Weizenkleie, gekochten Kartoffeln, mit etwas Milch angereichert, nehmen Enten sehr gerne auf. Körnerfutter festigt das Gefieder. Je nach Geldbeutel und Zeit kann so jeder Züchter für seine Rasse die Balance zwischen den beiden Futtervarianten festlegen. Dank dem über alle Höhen und Tiefen durch fürsorgliche Zuchtauslese erhalten gebliebenen, ländlichen Charakter, sind sie im Auslauf emsige Futtersucher und machen dort manch schädlichem Kleingetier den Garaus. Wer keinen natürlichen Auslauf bieten kann, oder wegen Aufstallungsgebot bieten darf, füttert allerlei Grünfutter. Salat, Weißkohl, geschnittene Topinamburblätter und frischer (ungedüngter) Rasenschnitt runden den Speiseplan ab. Brutlust wird nicht immer groß geschrieben, haben sich die Enten jedoch erst einmal zur Brut entschlossen, so sind sie fürsorgliche Mütter. Je nach Farbenschlag schwankt die Farbe der Bruteier von weiß bis grünlich ja fast schwarz. Sie sollten ein Mindestgewicht von 60 Gramm aufweisen. Die kleinen, ja keck bis quirlig anmutenden Racker beleben jedes Gehege und können mitunter sehr zutraulich werden. Ihnen ist wie allen anderen Enten in den ersten Lebenstagen ein warmer und trockener Stall vorzuhalten. Ist das Wetter gut, so können bereits nach einer Woche die ersten Ausflüge ins Freie erfolgen. Enten gehören zum Wassergeflügel, ergo können sie früh an ihr unerlässliches Lebenselement herangeführt werden. Zum Tagesgeschäft eines Züchters gehört es, eine saubere Badegelegenheit zur Verfügung zu stellen. Vielerlei Behältnisse können dabei von Nutzen sein. Ausrangierte Dusch- oder Badewanne, Kinderplanschbecken aus PVC oder künstlich angelegter Teich alle müssen wir einen ungehinderten Ein- und Ausstieg ermöglichen. Nicht nur in den heißen Sommermonaten sollte frisches, kühles Tränkwasser immer in ausreichender Menge vorhanden sein.

Um einer Durchnässung um die Tränke vorzubeugen empfiehlt es sich das Wasserbehältnis auf einen Rost mit doppeltem Boden zu stellen. Das von den Tieren verschnatterte Wasser wird aufgefangen, rund um die Trinkstelle bleibt es trocken. Zuchtstammgrößen von 1,2 bis 1,5 bringen auch bei den Landenten sehr gute Befruchtungsraten. Von einer Zucht in großen Herden ist abzusehen. Bei solch einer Haltung kann definitiv kein Abstammungsnachweis mehr geführt werden, welcher zur Sicherung von Schönheit und Leistung unverzichtbar sein sollte. Mit einer durchschnittlichen Legeleistung von 60 Eiern je Ente gestaltet sich die Nachzucht doch sehr auskömmlich.

Wir vom SV der Entenzüchter sehen es nach wie vor als Verpflichtung gegenüber unserem Wappentier, die Landenten mit Haube, in ihrer Erhaltung zu sichern und zu fördern. Wir wissen alle, dass der einmal erreichte Zuchtstand keine festgeschrieben Konstante darstellt, sondern im Laufe der Jahre immer wieder einer Variablen unterzogen ist. So wäre es wünschenswert, wenn diese Zeilen dazu betrügen, viele neue Züchter für die Landenten gewinnen zu können und die Zuchtbasis breitgefächerter aufgestellt werden kann. Biodiversität erhalten, Kulturgut bewahren, Genreservoir sichern, wir Rassegeflügelzüchter leben diese drei Säulen mit und für unsere Tiere – und6 für die nachfolgenden Generationen der Menschheit.

Paul-Erwin Oswald

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