Die Deutschen Campbellenten stehen 2014 als Entenrasse im Blickfeld

Adele Campbell, eine englische Pfarrersfrau, schuf vor mehr als hundert Jahren aus Rouen- und rehfarbigen Laufenten die Urahnen dieser inzwischen weltweit verbreiteten Rasse. In wie weit die „Ausgangsprodukte“ reinerbig in ihren Rasseattributen waren oder doch bereits „Fremdblut“ in ihren Adern floss, wollte oder konnte Mrs. Campbell nicht preisgeben. Den damaligen Typ des eingesetzten Rouenerpels und den der verwendeten rehfarbigen Laufenten dürfen wir nicht an unserem heutigen, ausgereiften Zuchtstand der beiden Rassen festmachen. Die ersten Campbellenten wurden in der englischen Geflügelliteratur sehr gut bebildert und erinnern den Betrachter vehement an Streicher- und/oder Welsh-Harlekin-Enten. Es ist gut vorstellbar, dass die später zur Verbesserung der Beweglichkeit angepaarten Stockenten auch den Ausschlag zur heutigen, der dunkleren, Variante legten. Mit dieser Rasse brachte Mrs. Adele Campbell ihre Wunschvorstellungen, eine vorzügliche Legeente mit ansehnlichem Schlachtgewicht zu schaffen, ganz formidabel auf den Punkt. Es waren die durch Legewettstreite verbrieften Legeleistungen von bis zu 354 Eiern pro Jahr und Ente, die der Rasse einen rasanten Aufschwung bescherten. In Windeseile wurde aus der Campbellente eine Legerasse von Weltruf – ein Global-Layer so zu sagen! Als Beispiel kann die über 40 Jahre bestehende holländische Entenfarm „de Lange“ gelten, sie beherbergte ständig 10.000 Campbellenten in ihren Zuchtbetrieben, verfügte über mehrere Brutmaschinen mit einer Kapazität von je 200.000 Eiern. Enteneier eignen sich hervorragend zum Backen von Kuchen und Gebäck, welche damit an Volumen gewinnen und länger saftig bleiben.

Vor 4 Jahren fasste man auf europäischer Ebene den Beschluss, die Rasse hier zu Lande fortan als Deutsche Campbellenten zu führen. Es ist müßig darüber diskutieren zu wollen, ob dies zu einer besseren europäischen Gemeinsamkeit der Rassen führen wird. Jedenfalls trägt so der Name weiterhin dem Ursprung, aber auch dem doch inzwischen vom englischen Standard abweichenden deutschen Musterbild Rechnung. Geht uns inzwischen der Name Deutsche Campbellenten indessen schon recht geläufig über die Lippen, so fällt uns die gleichzeitig mitgeänderte Farbschlagbezeichnung von braun-dunkelwildfarbig noch immer schwer. Modifizierte Namensgebung – an Form und Farbe blieb, wie es der Volksmund ausdrückt – alles beim Alten!

Die Campbellente besitzt ein quirlig, lebhaftes Wesen. Zurückhaltung geht anders, Ausdauer und Agilität sind dieser Rasse geradezu auf den Leib geschrieben. Wieselflink suchen sie in ihrem Auslauf, und sei er noch so groß, nach Kleingetier und verwertbarem Grünzeug. Sie können, wie übrigens jede andere Entenrasse auch, sehr gut als Schneckenpolizei eingesetzt werden. Sie stehen in Punkto „Kleingetierverzehr“ ihren Ahnen, den Laufenten, in nichts nach. Es sei zu bemerken, dass bei ständigem Verzehr der Nacktschnecken vermehrt Flüssigkeit aufgenommen werden muss. Ergo immer auf eine ständig gut gefüllte Tränke zu achten. Zielgerichtet eingesetzt halten sie ganze Obst- oder Beerenplantagen in „wurm- und schneckenfreiem Zustand“ – wenn man sie nur lässt.

Mit 2,5 kg Gewicht beim Erpel und 2 kg bei der Ente gesellen sie sich in den Kreis der Streicherenten und gehören zu unseren leichten Rassen. Deutsche Campbellenten haben Ofenrohrform – länglich gezogener Rumpf, allseits gut gerundet, prädestinierter kann man es nicht mitteilen. Ober- und Unterlinie verlaufen parallel, vorne gegenüber den schweren Rassen bereits deutlich aufgerichtet. Wer da patzt, bleibt auf der Strecke und darf seinen Zieleinlauf im Bratentopf beenden. Die Brust muss voll und rund erscheinen, da sind sich zwar alle einig, aber oft fehlt es da am nötigen Ausbau. Eingedrechselte Übergänge wie wir sie von den Laufenten her kennen und fordern, sind hier nicht gewünscht. Leider bleibt da auch die Aussagekraft der derzeit gültigen Musterbilder mit auf der Strecke. Im Kopf gut gerundet, mit wenig ansteigender Stirn und trockenen Backen. Die dunklen Augen sitzen hoch im Kopf. Schnabel mittellang, gerade und nicht zu breit. Der Hals ebenfalls nur mittellang und anmutig gebogen. Oben fein, nach unten leicht stärker, schließlich fließend in die Brust übergehend Das gesamte Gefieder sollte glatt anliegen, so auch am Hals. Erst ausgesprochen bürstiges Halsgefieder ist zu strafen. Also bitte gut differenzieren, nicht jeder raue Hals muss gleich ein Mangel sein und im Zweifelsfall immer für den Angeklagten plädieren. Geradlinig und lang bildet sich der Rücken aus. Dieser wird von den mäßig langen Flügeln gut abgedeckt. Berühren sich die Flügelspitzen, so zeugt dies gleichermaßen von einem gut bedeckten Rücken, welchen wir uns zweifelsfrei auch wünschen. Der Schwanz verläuft in der Rückenlinie, allenfalls ein wenig angehoben. Kurze Rumpfformen wirken plump und gelten als Manko. Edel elegant die Form, eben mit einem filigranen Hauch ohne sich in stilistischen Feinheiten zu verlieren. Bei der Ente muss das Hinterteil gut gefüllt sein – ganz klar ein Legebauch. Wenn nicht bei dieser Rasse, wo denn dann? Irgendwo müssen die Eier ja herkommen und nicht zu vergessen, bis zur Ablage bevorratet werden. Jede Ausstellung bedeutet für unsere Schützlinge den Laufsteg der Züchterwelt zu betreten. Die Modezaren der Haute Couture geben maßgeschneiderte Konfektionen vor, wir sind gut beraten den angetretenen Damen ab November ein wenig fülligeres Hinterteil nachzusehen. Selbstverständlich sind junge Enten hier klar im Vorteil und wer ewig glatt ist, bekommt die volle Punktzahl. Kiel, Bauchwamme und schleppende Hinterteile sind in beiderlei Geschlecht zu strafen. Mittellange Läufe, die beim Erpel etwas höher gestellt sind als bei den Enten. Manche Damen dürfen durchaus einen Hauch mehr Bein zeigen, sie nutzen die gebotene Standfreiheit nicht aus. Ringgröße 15 gilt für beide Geschlechter und belegt die Feinknochigkeit der Tiere.

In Deutschland sind zwei Farbschläge standardisiert – braun-dunkelwildfarbig und weiß. Mehrere europäische Standards beinhalten Campbellenten auch in dunkel-khakifarbig. Weitestgehend dürfen wir diesen Farbenschlag mit unseren dunkel-wildfarbigen Hochbrutflugenten gleichsetzen, jedoch finden wir bei den dunklen Campbellenten mehr Brauntöne im Gefieder des Erpels. Ergänzend sei erwähnt, dass sich das englische Züchter-Ehepaar Chris und Mike Ashton zur Klärung genetischer Zusammenhänge seit ein paar Jahren mit blau-khakifarbigen und dunkel blau-khakifarbigen Spezies beschäftigt. Wir sind gut beraten, es bei unseren beiden Farbenschlägen zu belassen, deren rassischen Attribute zu festigen und auf eine breite Basis zu setzen.

Braun-dunkelwildfarbig: Der Erpel zeigt in der Grundfarbe dunkles Khaki mit einem deutlichen Stich ins Rötliche. Die Farbe einer saftig, frischen Kastanie dient als Vergleich. Kopf und Hals im Dunkelsten Braun, von matt grünlichem Schimmer überzogen. Käfergrüner Glanz ist da mehr als nur verpönt. Ein paar Herren von wirklich allerfeinstem Campbellenten Geblüt, fehlt teilweise der dunkle Touch in der Kopffarbe – sie sind dort genau so braun wie in der Brust. Das mag noch nicht sonderlich stören, aber wehe so ein Bursche avanciert in der Zucht zur falschen Ente – kontraproduktiv- würde ich sagen. Fließend, ohne exakte Trennung, wechselt die Halsfarbe in die oben erwähnte Grundfarbe. Schwanzdecken und Unterschwanz incl. Locken entsprechen der Kopffarbe. Samtbraune der Gefiederfarbe weitestgehend gleichende Spiegel ohne jeglichen Glanz, gelten für 1,0 und 0,1. Weiße Spiegeleinfassungen sind nicht erwünscht und treten eher selten auf. Das Perlfeld des Erpels darf keinesfalls silbrig werden. Es überwiegen hellere Brauntöne. Aufgehellte Flügelspitzen finden erst am Ende der Schausaison ihren Freiraum in der Kritik. Schenkt man englischen Zitaten Glauben, so spiegelt sich bei den Erpeln die Farben eines guten, alten, englischen Whiskys wieder. Ob Mythos oder durch den Genuss des Getränks hervorgerufen, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Ebenfalls khakifarbig, aber ohne diesen satten Rotstich, die Ente. Schwach angedeutete Wildzeichnungsanlage, von möglichst mattbrauner Farbe, wird gefordert. Größere Farbnuancen zwischen Grund- und Zeichnungsfarbe sollten möglichst nicht auftreten. Genetisch bedingt, lässt mit einsetzender Legetätigkeit die Farbreserve in den Federn nach. Dem trägt auch der Standard ausdrücklich Rechnung, wer jedoch einfarbig braun wie die Laufenten erscheint, darf kein Lorbeerkranz zu teil werden. Straff, fest und kompakt gestaltet sich das Federwerk, bei den Khakifarbigen und Weißen gleichermaßen. Flaumig, luftiges Bauchgefieder passt einfach nicht zu unseren Campbellenten.

Erpel zeigen einen grünen, die Enten einen dunkelgrünen Schnabel, jeweils mit dunkler Bohne. Für beide gilt, je dunkler in der Farbe, desto besser. Jegliches Gelb im Ober- oder Unterschnabel bringt derben Punktabzug. Lauffarbe beim 1,0 dunkelorange, bei der 0,1 schmutzig braun bis dunkel. Auch hier ist den dunkler veranlagten Tieren stets Vortritt zu gewähren. Beide Farbschläge legen weiß bis grünliche Eier. Das Bruteimindestgewicht beträgt 65 Gramm. Der Standard gibt eine Legeleistung von 140 Eiern pro Jahr und Ente vor. Für eine Legerasse, die man im englischen als das „Leghorn“ unter den Enten bezeichnet, sollte diese Anzahl mehr als erreicht werden können. Noch heute werden Campbellenten in großen Herden als ausgesprochene Legeenten gehalten und dort hätte eine Ente mit 140 Eiern wohl kein langes Leben.

Weiß: Ihr gesamter Habitus ist mit den Khakifarbigen gleichzusetzen. So peu a peu hat sich dieser Farbenschlag zu einer festen Größe auf unseren Schauen entwickelt. Seit Jahren steigt die Qualität auf breiter Basis. Ein Indiz von löblicher und fruchtender Zusammenarbeit der Züchter und Preisrichter. Zielgerichtet wird sortiert: zu klein geratene Peking- oder derb veranlagte Laufenten machen nur Arbeit, aber keinesfalls Preise. Manchmal darf die Ofenrohrform in ihrer Länge noch markanter zum Ausdruck kommen. Reinweißes Gefieder, jahreszeitlich bedingt leicht gelber Anflug (mausergelb), gestattet. Da ist genügend Luft drin, für Züchter und Preisrichter. Dennoch kein Grund, sich sorglos zurück zu lehnen, denn alles, was tipp topp weiß erscheint, behält die Nase vorn. Schnabelfarbe für beide Geschlechter: orange bis ins gelbliche spielend. Nur bei älteren Tieren sind grüne Einlagerungen gestattet. Auch in diesem Punkt spielt die Legephase der Ente wieder eine Rolle. Mit orange bis blassrosa wird uns die Lauffarbe vorgegeben. Blassrosa – ein vergessenes Relikt aus der Wiedereingliederungszeit unserer Weißen. Wir stecken es in die Mottenkiste und ob es jetzt im Standard dabei steht oder nicht – wen stört es? Als grobe Fehler gelten fleischfarbiger Schnabel und farbige Federn. Da gibt es keine Kompromisse, zu einschneidend sind deren Einwirkungen!

Die Deutschen Campbellenten sind eine prädestinierte Zwierasse – ausgezeichnete Leger und gute Fleischlieferanten. Von Haus aus nicht fett, wenn doch, dann wurde es angefüttert. Überzählige Eier leisten wie bereits angeführt in der Küche oder in hart gekochtem Zustand wiederum gute Verwendung als Beigabe im Kükenfutter. Sie sind kunstbrutfest, brüten zuweilen auch mal gerne selbst. Die Aufzucht von Campbellenten gestaltet sich pflegeleicht. Große Ansprüche stellt die Rasse nicht. Handelsübliche Futtermittel reichen völlig aus und wer Weichfutter verabreicht, sollte die Gefiederfestigkeit im Auge behalten. Grünfutter sollte von Kindesbeinen an verabreicht werden. Salate und grüner Kohl eignen sich sehr gut. Wer mehr Energie zuführt als abgearbeitet werden kann, droht diese in Form von Fett zu speichern. Sorgsam rationieren, das Wachstum im Auge behalten, die Mauser beachten, wer all dies beherzigt, wird seine Tiere auch nicht fett füttern.

Mit Zuchtstämmen von 1,3 bis 1,5 erzielen wir genügend Nachzucht für die Ausstellungssaison. Es ist ratsam, in zeitlich größeren Abständen zu brüten, damit für spätere Schauen genügend Tiere in voller Blüte zur Verfügung stehen. Schattige Haltung, unter Bäumen zum Beispiel, ist für die Braun-Dunkelwildfarbigen sehr wichtig. Übermäßiger Aufenthalt in der Sonne bleicht das Gefieder aus. Es erscheint stumpf, matt und spröde. Wer über genügend Platz verfügt, hält seine Tiere tagsüber in geräumig, luftigen Sommerställen und gewährt ihnen erst in den späten Abendstunden einen längeren Auslauf. Arbeit, die sich auszahlt! Saubere Badegelegenheit und frisches Trinkwasser gehören zum Grundrepertoire in der Entenzucht und Entenhaltung. Für Enten ist nichts schöner, als ihr angeborenes Komfortverhalten, das Putzen, im Wasser auszuleben. Es ist doch herrlich zu sehen, wie die Enten im Wasser eintauchen, in wilden Schlägen die Flügel reinigen und sich seitwärts auf dem Wasser liegend, mit den Zehennägeln die Kopffedern richten. Schwimmwasser – und sei es „nur“ eine ausgediente Badewanne – wirkt sich auch förderlich auf die Befruchtungsrate beim Wassergeflügel aus. Die Tiere formieren sich gegenüber und der Erpel leitet mit Kopfnicken den Tretakt ein. Er besteigt die Ente, drückt sie ins Wasser, dabei hält er sich mit seinem Schnabel an den Federn ihres Hinterkopfes fest. Nach vollzogener Begattung reckt sich der Erpel vorne auf und stößt (zumindest noch bei kleineren Rassen) einen lauten Ton, den so genannten „Grunzpfiff“ hervor. Ein Erlebnis, welches eben nur bei Haltung im Schwimmwasser beobachtet werden kann.

Beide Farbenschläge eigenen sich hervorragend für Neueinsteiger. Gute Zuchttiere sind auf den Schauen eigentlich immer zu erwerben. Was bei fahrenden Geflügelhändlern zu weilen als Campbellenten angeboten wird, ist des Namens nicht wert – Rassegeflügel kauft man beim Rassegeflügelzüchter. Der Zuchtstand der Braun-Dunkelwildfarbigen und Weißen gleichermaßen gilt als hoch, mit der Einschränkung, daß es sich dieser immer noch auf wenige Zuchten verteilt. Mit Campbellenten kann man wenig falsch machen, also einfach mal versuchen. Die Rasse freut sich über jeden neuen Züchter, auch und gerade weil sie 2014 als Entenrasse im Blickfeld steht.

Paul-Erwin Oswald

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