2010 im Blickfeld – Die Gimbsheimer Enten

Erstmals 1963 als Andalusier-Enten vorgestellt, favorisierte der damalige Vorsitzende des SV der Entenzüchter Theodor Suerburg sie als blaue Campbellenten. Nachdem auch Oswald-Enten (abgeleitet vom Erzüchter Gg. Richard Oswald) in breiter Runde zur Diskussion stand, legte man sich auf den Namen „Gimbsheimer Enten“ fest, basierend auf ihre Herkunft dem Weinort Gimbsheim im schönen Rheinhessen/Rheinland-Pfalz. Ihre Anerkennung erfolgte 1967 zur Nationalen in Frankfurt als Gimbsheimer Enten.

Anfangs nur wenig verbreitet, erlebte die Rasse um die Jahrtausendwende eine mehrjährig andauernde Blütezeit. Leider wurde es inzwischen merklich ruhiger um unsere aparte, mittelschwere Landente im blauen Federkleid. Die Rasse hat, wenn auch einen sehr kleinen, aber treuen Grundstock an Züchtern – gottlob! Ihr ist jedenfalls mehr Verbreitung zu wünschen, betreibt sie doch mit ihrer schlichten Eleganz ordentlich Eigenwerbung. Besonders anziehend und reizvoll stellt sich das Seitenprofil dar. Ober- und Unterlinie nahezu parallel verlaufend mit gut eingebauten und fest anliegenden Flügeln, welche den Unterrücken deutlich abdecken. Der Rumpfaufbau ist kräftig angelegt, verkörpert dennoch viel Grazie ohne plump zu wirken. Haltung fast waagrecht, leicht nach hinten abfallend, so gibt es uns der Standard vor. Die Brust wird bei unseren Gimbsheimern nun mal höher getragen als das Hinterteil, ergo sind Forderungen nach einer waagrechten Haltung völlig fehl am Platz.

Stark aufgerichtete Haltung finden wir unter Grobe Fehler, aber von einer Version a`la Deutsche Pekingenten sind wir beileibe weit genug entfern. Gut ausgebildet die abgerundete Hinterpartie, besonders bei den Enten. Das Wort Legebauch gebrauchen wir bitte erst am Ende der Schausaison. Im Oktober sollten Erpel und Enten eine gerade Unterlinie zeigen. Ab etwa Anfang Dezember bevorraten die Enten im angesprochenen Legebauch bereits die ersten gelblich bis grünen Eier, welche ein Mindestgewicht von 70 Gramm haben sollten. Eine, auch nur im Ansatz zu findende Kielbildung ist verpönt. Die Züchter sind gut beraten, gerade bei den Alttieren sehr sorgfältig auf diesen Fehler zu achten. Schöne Formtiere sind gar nicht mal so selten anzutreffen, ihnen fehlt aber meist noch ein Pfund zum gewünschten XL-Format. Grundsätzlich gilt: Größe und Form, erst dann beurteilen wir in gebührendem Abstand die Farbe mit all ihren Finessen. Bei den Gimbsheimern sind Brust, Bauch und Rücken samt Weichen vollfleischig. Erpel mit 3kg und Enten mit 2,5kg Gewichtsvorgaben machen im Käfig schon deutlich was her. Wer es im Kükenalter versäumt durch eine solide Fütterung den Grundstein für Länge und Breite zu legen, wird im Erwachsenenstadium die Tiere nur noch mästen und keinesfalls auf eine gezogene Eleganz trimmen können. Der waagrecht getragene Schwanz darf nicht zu knapp bemessen sein, sonst wirkt die Hinterpartie füllig. Besonders üppige Lockenbildung war den Gimbsheimer Erpeln nie so recht gegeben, darauf mögen Züchter und Preisrichter bitte achten. Wenig hinter der Körpermitte sind die Läufe eingesteckt. Die eigentlich muskulösen Schenkel bleiben im Weichengefieder eingebettet und treten kaum in Erscheinung. Für mich persönlich gilt, je dunkler die Lauffarbe, desto besser. Im Standardtext steht schwarzrot bis schwarz – ausreichend Freiraum, wie ich meine. Wir müssen hier den Fehlerkreis nicht enger bezirkeln wollen als überhaupt gefordert. Schwarz ist die vorherrschende Farbe, Punkt! Rot oder Orange bleiben als Beiwerk, in welchem Mischungsverhältnis ist völlig be- langlos. Die Ringgröße 18 ist inzwischen für beide Geschlechter sehr auskömmlich.

Viel Adel zeigt uns die Kopfpartie. Recht lang, aber nicht zu breit soll er sein. Die Stirn recht flach gehalten. Im Schnabelaufbau kräftig, beim Erpel weidengrün, bei der Ente schwarzgrün, jeweils mit schwarzer Bohne. Warum gerade manche Erpel öfters ihre Schnabelhaut wechseln, vermag ich nicht zu sagen. Sie gestaltet sich dann fleckig und spröde. Ich denke, viel zu unterschwänglich, um es als Fehler zu deklarieren. Dunkler Firststrich beim Erpel – na und? Genetische Farbreserve, nicht mehr und nicht weniger! Jedoch ist ein schwarzer Sattelfleck, nach Cayugaenten-Manier dann doch des Guten zuviel und gibt Punktabzug. Die Augen dunkel, im Erscheinungsbild lebhaft.

Wie wir bereits erfahren haben, handelt es sich beim Blau unserer Geflügelrassen um eine Mischfarbe. Beleuchten wir die Sache etwas näher, so stellen wir fest, dass in der Nachzucht 50% Blaue (Ausstellungstiere), 25% Schwarze und 25% schmutzig Weiße fallen. In einem gewachsenen, gut sortierten Zuchtstamm, lässt sich der Anteil an Blauen noch steigern. Sehr vorteilhaft – wir können sofort nach dem Schlupf, die schwarzen und weißen Küken abgeben. Diese eignen sich hervorragend zum Einsatz im Garten oder für Hobbyhalter, die sich einfach am Tier als solches erfreuen. Je größer die Anzahl der eingelegten Eier, desto größer wird die Anzahl an blauen Nachkommen sein. Man sollte also dementsprechend viele Eier sammeln und erst dann einlegen. Selbstverständlich kommt man auch mit kleinen Nachzuchtraten zum gewünschten Erfolg, das ist keine Frage.

Die Gimbsheimer Enten verkörpern eine übermittelgroße Landente mit blauer Gefiederfarbe. Wir wünschen uns ein über den ganzen Körper verteiltes sattes Blau, der Standard spricht hier von einem getönten Blaugrau, mit mehr oder weniger dunklem Gefiedersaum. Also kein flaches, einfarbiges Taubenblau, sondern satt durchgefärbtes Blau mit dunklem Saum. Die vorgegebene Bandbreite in der Säumung können – sollten – ja müssen wir in der Zucht und in der Bewertung gleichermaßen nutzen. Je gefestigter die dunkle Säumung, desto reiner werden die Tiere in der Mantelfarbe. Ein dunkler Saum wird verlangt, das kann dunkelblau, das kann aber auch schwarz sein. Keinesfalls darf sich aber weder im Saum noch im Gefieder ein Braunton festsetzen. Zeigt sich die dunkle Säumung auch unter dem geöffneten Flügel, so sind diese Tiere bevorzugt in die Zucht einzustellen. Wer dort fahlgelb oder gar weiß gesäumt ist, sollte seine Karriere im Kochtopf beenden. Die Brust beider Geschlechter wirkt auf Grund der Federbeschaffenheit meist etwas heller als der Rest des Gefieders. Dagegen sind Kopf und Hals dunkler getönt, da spielt zum einen die kurze Feder eine Rolle, zum anderen ist dies beim Erpel genetisch bedingt gar nicht anders machbar. Grünglänzende Köpfe, leuchtend wie Edelsteine in der Sonne bringen derben Punktabzug. Einzelne schwarze und manchmal auch weiße Federn darf und sollte der Züchter vor der Ausstellung putzen. Je reiner das Gefieder, desto ruhiger verweilt das Auge des Betrachters. Es ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild. Schwierig wird es, wenn sich im Flügel- oder im Schwanzgefieder so ein „schwarzer Teufel“ befindet. Zugegeben gerade diese eine schwarze Feder fällt nun mal ungemein ins Auge, aber muss das gleich auf der Karte stehen? Ich meine nicht – höchstenfalls als frommer Wunsch, mehr Beachtung sollten wir dem „Ding“ gar nicht erst schenken. Großflächige schwarze Federfluren finden in der Bewertung jedoch keine Akzeptanz.

Das Gefieder liegt möglichst kompakt an. So glatt wie die Cayugaenten werden die Gimbsheimer aber sicher nicht werden. Man kann dies ein wenig mit der Gabe von Körnerfutter unterstützen, loses Federwerk lässt sich aber keinesfalls glatt füttern. Ich stelle fest, dass Querbeet durch alle Rassen die blauen Farbenschläge ein weitaus „raueres“ Halsgefieder aufweisen als andere Farbenschläge. Da nehme ich auch gerne die blaue Pommernente mit ins Boot. Ob es sich da um eine für unsere Augen besonders wahrgenommene Lichtbrechung der blauen Farbe oder doch um borstigen Federansatz handelt, lässt sich wohl nicht zweifelsfrei beantworten. Wie auch immer, wir sollten die Tiere nicht überaus hart strafen – es sei denn, es stünden uns irgendwann genügend Vertreter mit „glatten“ Hälsen zur Verfügung.

Der Grundsatz ein Zuchtstamm muss wachsen, trifft einmal mehr auch auf die Gimbsheimer zu. Selektionserfolge sind Ergebnisse züchterischer Schaffenskraft und stellen sich nicht von heute auf morgen ein. Da kann es schon mal vorkommen, dass die Nachzucht nicht den er- wünschten Kindersegen an „Blauen“ bringt wie eigentlich erhofft. Es wäre fatal, in hastiger Eile die Zuchtstämme neu aufzustellen. Eventuell waren zuerst die 25% Schwarzen und die 25% Weißen am Zuge und die 50% Blauen folgen im nächsten Gelege. Keine Seltenheit – wohlgemerkt. Die Natur ist launig und ihre Launen mannigfaltig, also keine Schnellschüsse sondern abwartendes Prüfen. Wer in einen Zuchtstamm gehört oder die Rate der Fehlfarben in der Nachzucht zu beurteilen sind Lernprozesse, die sich ein Züchter keineswegs innerhalb eines Jahres aneignen kann. Eine sorgsam geführte Linienzucht eignet sich hervorragend um ans Ziel zu kommen. Das Ende einer Zuchtsaison bietet sich geradezu an, um neue Erpel oder die Erpel der eigenen Stämme in einer Art Zuchtrotation gegeneinander auszuwechseln. So lassen sich bereits erste Eindrücke für die nächste Zuchtsaison gewinnen. Wer „Fremdblut“ einführen will oder irgendwann einführen muss, der sollte sich den Weg nicht unnötig erschweren und auf gute „Blaue“ aus anderen Zuchten zurückgreifen. Entstanden sind die Gimbsheimer Enten aus Amerikanischen Peking-, Orpington-, Sachsen- und wohl später auch unter zu Hilfenahme von Cayugaenten. Es steht jedem frei eine der aufgeführten Rassen zur Blutauffrischung heranzuziehen, aber der Weg bis zum Erfolg wird sicher länger und nur mit großer Auslese gestalten lassen. Vorsicht wer da mit blauen Pommernenten hantiert. Der Latz vererbt sich hartnäckig, meist über Jahre hinweg und blaue Pommern mit dunklem Saum – na ja, lieber „nein, danke“.

In der Auf- und Nachzucht lassen die Gimbsheimer Enten eigentlich keinerlei Wünsche offen. Eine unverbrauchte Rasse, mit recht guten Legeeigenschaften. Nur wer viele Eier legt, hat auch viel Nachzucht. Mitunter brüten sie gerne selbst und führen die Küken dann sehr fürsorglich. Werden keine Bruteier mehr benötigt, so ist es empfehlenswert Erpel und Enten zutrennen. Die recht emsigen Erpel treiben und treten die Enten sonst über den ganzen Sommer, das muss nicht sein. Grünfutter mögen bereits die Kleinsten, wobei die Vorliebe für Salat sprichwörtlich anzusetzen ist. Handelsübliches Aufzuchtfutter wird gerne aufgenommen und im Halbstarkenalter dürfen wir deutlich satt füttern. Trinkwasser reicht man täglich, bei großer Hitze auch mehrmals täglich frisch und vor allem kühl. Überhitztes Trinkwasser verschmähen die Tiere und nehmen es irgendwann erst gar nicht mehr auf. Das Badewasser wird je nach Verschmutzungsgrad erneuert, auch hier ist in den warmen Sommermonaten auf eine Überhitzung zu achten. Schattige Haltung zwischen Bäumen und Sträuchern erhält der Gefiederfarbe ihre ansehnliche Frische. Vollsonniger Auslauf bleicht aus, die Federn wirken stumpf und driften zusehends in ein fahles Gelbblau. Inwieweit ölhaltige Körner und Sämereien zur Festigung der Gefiederfarbe beitragen ist nicht gesichert hinterlegt – gesund sind sie allemal. Die Rasse nutzt den ihr gebotenen Auslauf gerne zur Aufnahme von jeglichem Getier, besonders kleine Kerbtiere werden in Unmengen verzehrt.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, bei den Gimbsheimer Enten handelt es sich nach wie vor um eine sehr agile Entenrasse. Wer möchte kann bereits direkt nach dem Schlupf die „Fehlfarben“ an Interessenten abgeben. Was fehlt und das wünsche ich dieser Rasse doch sehr, sind viele neue Züchter. Sie stehen 2010 beim SV der Entenzüchter als Entenrasse im Blickfeld und möchten so weiter auf sich aufmerksam machen.

Paul-Erwin Oswald

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